Engelchen und Teufelchen…

Eigentlich macht mir das Schreiben von schönen und zufriedenstellenden Momenten aus meinem Sportlerleben mehr Spaß als über die Schattenmomente zu berichten. Daher erfolgt mein Bericht über den Berliner Halbmarathon auch etwas mit Verspätung. Die Tränen mussten erstmal getrocknet, die 21 Kilometer analysiert und der Blick wieder nach vorne gerichtet werden. Zeit heilt alle Wunden, wie man so schön sagt. „True story“ 😉 . Nachdem ich letztes Jahr mit einer (für mich) schnellen Zeit in Berlin die 21,1km finishen konnte, war die Vorfreude auf den Wettkampf sehr groß. Wie das Leben spielt, verliefen die letzten 4 Wochen – auch wenn ich mir das vorher nicht eingestehen wollte – nicht optimal. Trotzdem ich jeweils eine Woche im Februar und eine Woche im März im Trainingslager war, gab es zu viele andere Zwischenfälle, die leider keine 100%ige Leistung am Tag X zum abrufen ermöglichten. Bereits auf Mallorca meldete sich meine Wade nach guten anfänglichen Lauf- und Radeinheiten und verhinderte daher ein Lauftraining für etwa sechs Tage und in der Folge auch zunächst mit angezogener Handbremse. Zusätzlich machte uns Petrus während des kurzen Aufenthalt auf Mallorca auch einen Strich durch die Rechnung und zeigte uns fast täglich, dass es auch auf der „Sonneninsel“ regnen kann. Dem konnte auch mein sonst recht starkes Immunsystem nichts mehr entgegnen und gab „Kleinbei“. Auch da musste ich etwas „Gas rausnehmen“. Zusätzlich hatte ich die letzten zwei Wochen vor dem Rennen beruflich ziemlich viel zu tun, so dass ich weder mental noch physisch regenerieren konnte. Die Gedanken waren woanders und ich hatte ehrlich gesagt wenig Energie für qualitativ hochwertige Trainings übrig. Wie verhext meldete sich meine Wade (die 2 Wochen komplett schmerzfrei war) bei einem letzten Abschlusstraining auf der Bahn fünf Tage vor dem Rennen. Zu spät brach ich das Training ab (auch das bedarf einen starken Kopf) und versuchte die letzten fünf Tage irgendwie diese blöde Verhärtung aus der Wade herauszubekommen. Leider gelang es mir nicht und noch an der Startlinie war ich unsicher ob ich vielleicht doch lieber nicht antreten sollte.

Der Lauf wurde dann neben einem begleitenden kontinuierlichen Stechen in der Wade sehr lang und anstrengend. Mehr braucht man dazu nicht sagen. Zur Analyse nur ein paar Gedanken: Training kann man theoretisch planen, aber meinen Klinikalltag nicht und da liegt auch die Ursache. Trotzdem bin ich der Meinung dass es gerade sinnvoll ist, wenn nur wenig Zeit in der Woche für Training aufgewandt werden kann, dass dieses vernünftig geplant wird, daher bin ich überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit Julia (viellehner-running.de) mich weiterbringen wird. Niederlagen gehören beim besten Athleten dazu, und daran ist nicht der Trainer Schuld! Ein solides Fundament sollte aber bestehen und das tut es. Der Sport ist (je nach Job) einem „leistungsorientierten Hobbyathleten“ dem beruflichen Alltag untergeordnet. Sicherlich ist das jedem klar aber dennoch will man das nicht wahrhaben, und versucht täglich sein Training „durchzuprügeln“, aber das Regeneration auch zur Leistung dazugehört, wird da oftmals vergessen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich trotz eines langen und anstrengenden OP Tages (nach welchem mein Körper – und Geist – vielleicht schon genug geleistet hätte), nie auf mein Training verzichte, es sei denn der Tag endet erst nach 21 Uhr… Wahrscheinlich wäre die schlauere Variante lieber an jenen Tagen das Training zu skippen, und dann ausgeruht am nächsten Tag das Training fortsetzen. Da liegt genau das Problem. Ich habe das Gefühl dass auf meiner Schulter ein Engel und ein Teufel sitzen. Das Engelchen lässt zwar die Option „spontaner Ruhetag“ kurz anklingen, aber im gleichem Atemzug übertönt das Teufelchen „Training, Training, Training….“ …. Diese Abwägungen mal ein Training ausfallen zu lassen, kennen wahrscheinlich viele Berufstätige. Ich habe nur nach dem vergangenen Wochenende gelernt, dass man einfach nicht alles haben kann im Leben, beziehungsweise, dass man seinem Körper nicht auf Zuruf in allen Bereichen das Maximum abfordern kann – Leistungsfähigkeit zum Wettkampf resultiert nicht nur aus Trainingseinheiten, nein!, am Tag X müssen einfach ALLE Komponenten zusammenlaufen.

Nichtsdestotrotz, so einfach lasse ich mich nicht unterkriegen… der Ehrgeiz ist noch da ;-). Ich habe jedenfalls an diesem Wochenende einen weiteren Lauf bestritten! Es gab keine großen Erwartungen an die Zielzeit , vielleicht ein paar geheime Wünsche, aber das Hauptziel sollte sein endlich wieder Spaß an einem Laufwettkampf zu haben und diesen vor allem schmerzfreit zu bestreiten. So konnte ich beim 10. Berliner Airport Run über die 10km Strecke den ersten Platz in einer guten Tempodauerlauf Zeit mit knapp unter 40 Minuten für mich entscheiden. Es hat total Spaß gemacht bekannte Gesichter zu treffen und meine Eltern an der Start- und Ziellinie zu sehen. Jetzt ist das Krönchen wieder gerade gerückt, auch wenn ich keine Höchstleistungen auf den Asphalt bringen konnte, aber das Lächeln ist wieder zurück. In diesem Sinne – weiter geht’s mit der Triathlonsaison.