Verletzungen – Das Beste draus machen und trotzdem lachen!

10 Wochen kein Laufschritt – das klingt für viele Läufer und Triathleten erstmal wie ein Gang durch die Hölle. Aber was soll man machen wenn jeder Schritt schmerzt? Mittlerweile könnt ich schon einen Ratgeber bezüglich Verletzungen herausgeben. Aber das macht die aktuelle Situation auch nicht besser, “hinterher ist man mal wieder schlauer“. Aber vielleicht kann man doch sagen, dass ich immerhin von Verletzung zu Verletzung etwas entspannter werde.
Erinnere ich mich noch an das Jahr 2006 als ich mit 17:42 auf 5000m die U23 Norm für die Deutschen Meisterschaften in Celle erlief und direkt ab dem Moment des Überquerens der Ziellinie für 5 oder 6 Monate nicht mehr laufen konnte. Das war übrigens mein erster Ermüdungsbruch im rechten (mal wieder) Schienbein. Damals bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Das mag vielleicht krass klingen, aber ich war doch gerade erst infiziert von der Leichtathletik gewesen. Witziger weise stammen meine 5 und 10km Bestzeiten noch aus diesem besagten Jahr. Damals war der Frust so groß, dass ich es noch nicht mal ertragen konnte, andere Läufer trainieren zu sehen. 10 Jahre später hab ich meinem Körper wieder zu viel zugemutet. „Viel“ ein unbestimmtes Zahlwort – wenn ich mir die Trainingsumfänge vieler meiner Facebookfreunde anschaue, dann ist mein wöchentlicher Umfang ein Witz dagegen. Aber das interessiert meinen Körper nicht, ganz im Gegensatz zu meinem Kopf. Der ist nie müde und hat immer Lust auf Laufen. Je mehr desto besser…
Aber zurück zu dem Leid der Nicht-Laufenden. Wie gesagt, damals ist eine (kleine) Welt zusammengebrochen, da mein Fokus nach dem Abi erstmal voll im Laufen lag, da ich noch kein Studienplatz hatte. Mittlerweile bin ich erwachsener geworden und habe zunächst mit dem Medizinstudium und nun mit dem Chirurgendasein mein Lebensinhalt gefunden. Und wie ein ehemaliger Trainier so schön sagte: Sport ist die schönste Nebensache der Welt.
Ich kann mich nur glücklich schätzen, dass ich jeden Tag aufs Neue in der Klinik mit den „wahren Problemen“ der Menschheit konfrontiert werde. Wie nichtig mir dann mein Schienbeinschmerz vorkommt, wenn ich junge Menschen mit Tumoren, komplexen Frakturen oder großen Weichteildefekten sehe, um nur einiges (aus meinem Fachbereich) zu nennen. Das tut gut und weckt einen immer wieder auf.
Dennoch liebe ich den Sport und – klar – bin ich auch mittlerweile ein Ausdauerjunkie. Und daher bin ich sau froh, dass ich zum Triathlon übersiedelt bin, denn hat mich damals eine Zwangslaufpause komplett aus dem Training gerissen, so konnte ich 2015 – dank einer super Trainingsbetreuung – die 10 Wochen extrem gut für die übrigen zwei Disziplinen nutzen. Mir ist durchaus bewusst, dass wenn ich mein Unterschenkel 6 Wochen komplett immobilisiert hätte (im Sinne einer Ruhigstellung in Gips/ Vacoped Schuh) dass ich bestimmt nach 6 Wochen schmerzfrei gewesen wäre- aber diese 6 Wochen wären so grausam gewesen, wie ein kalter Entzug eines Junkies. Dann doch lieber die „harmlose“ Variante mit der Substitution durch ausgewogenes Triathlon Training OHNE Laufschuhe. Man wundert sich wie der Trainingsplan gefüllt wird ohne dass es auffällt, dass eine Disziplin total fehlt. Selbst die zwei Wettkämpfe, die ich nach dem Radfahren beendet habe, haben mir Spaß und Freude bereitet. Und das ist doch das Einzige was zählt.
Dennoch wollte ich euch nur berichten, dass man auch trotz eines Laufpause weiter trainieren kann und darf. Man öffnet wieder die Augen für andere Dinge, die eventuell die Monate zuvor keine Beachtung geschenkt bekommen haben. Und dass es auch ein vernünftiges Training OHNE Laufen gibt. Und mittlerweile bin schon „so weit“, dass ich sogar am Sonntagabend Facebook durchblättern kann und mich an Erfolgen der anderen erfreuen, auch wenn ich derzeit über keine persönlichen Bestleistungen berichten kann.
Ein großer Dank gilt an diese Stelle noch zu erwähnen. Zum einen an Marco, der schon seit Jahren meine Höhen und Tiefen ertragen muss und immer einen Weg findet um mich glücklich zu machen, und zum anderen auch an Julia Viellehner und Tom Stecher, die mich trotz unserer erst kurzen Zusammenarbeit über diese Verletzungsphase ganz toll „getragen“ haben, mich und auch das Alternativtraining ernst genommen haben, als ob gar nichts wäre. Da kenn ich durchaus andere Trainer aus der Vergangenheit, die mit Verletzungen und Alternativtraining nichts anfangen konnten, geschweige denn mit der eventuell angeknacksten Psyche des Athleten und dich mit dem Kommentar „meld dich wenn du wieder laufen kannst, bis dahin trainier einfach nach Gefühl“ alleingelassen haben.
So genug der sentimentalen Zeilen. Ich will nur alle die durch diese Phase mal gehen müssen / mussten aufmuntern, dass man sich sehr sehr gut als Triathlet auch ohne Laufen fithalten kann (meine Trainingswoche findet ihr hier) und ja nicht den Kopf in den Sand stecken. In dem Sinne – noch 8 Wochen bis zu meiner ersten Mitteldistanz 😉 – sofern alles nach Plan verläuft…