In Zeiten wie Diesen

Es war nun schon sehr lange ruhig auf meiner Seite. Logisch, zum einen war es Winter, d.h. die Ruhezeit der Triathleten und zum anderen hatte ich aufgrund meiner viel zu langen Laufpause natürlich auch keine Winterlaufhighlights auf dem Plan. Worüber also zu berichten auf einer Sportlerwebsite? Genau da will ich ansetzen. Vor allem durch meine Verletzungsphase des letzten Jahres und dem gefühlten sportliche Stillstand, hatte ich nicht das Bedürfnis hier viel zu schreiben – aber in den letzten Wochen ist mir mehr und mehr bewusst geworden, dass man dieses Portal nicht nur nutzen kann um seine Erfolge abzulichten, sondern auch mal über die „Schattenseiten“ des (Leistungs-)sports zu sprechen. Wobei ich „Schattenseiten“ wieder etwas revidieren muss, denn so dunkel war die vergangene Zeit nicht. Das wäre ja auch schlimm, wenn mein Gemüt ausschließlich von Wettkampfteilnahmen abhängt. Aber es gab sicher einige dunkle Phasen, die mich immer wieder zur Verzweiflung gebracht haben, ab und an auch mal kleine Lichtblicke, aber eigentlich für mich eine viel zu lange Abstinenz eines Wettkampfgedankens und -gefühls.
Eins zu Beginn – hätte ich diese Phase vor 10 Jahren erlebt, wäre es mir und meinen Mitmenschen glaub ich viel schlimmer ergangen – also die, die mich ertragen hätten müssen. Denn mittlerweile ist der Sport schon lange nicht mehr mein Lebensmittelspunkt – habe ich doch einen tollen Beruf, der mich mehr als genug tagtäglich fordert und auch einen Partner an meiner Seite, den ich zwar über den Sport kennengelernt habe, aber der Sport schon lange nicht mehr unser einziges gemeinsames Interesse ist – ganz im Gegenteil. Trainiert habe ich eigentlich zu 90% mit anderen Kameraden 😉 . Aber die Ablenkung dank Beruf, Beziehung und auch das „fortgeschrittene“ Alter haben die Phase seit dem 05. August 2018 sehr erträglich gemacht, denn solange ist mein letzter Triathlon her. Die wenigen Schwimm- und Radwettkämpfe zähle ich jetzt mal nicht dazu. Und gerad gestern hat mich jemand gefragt „ob ich eigentlich noch Triathlon mache“ und tatsächlich bin ich kurz ins Stocken geraten und war nicht sicher was ich antworten sollte. Im Herzen „ja“, auf dem Trainingsplan „so lala“ und auf dem Papier seit 1,5 Jahren nicht mehr. Aber was bedeutet es ein Triathlet zu sein? Gibt es eine bestimmt Anzahl an Wettkämpfen, die den Athlet als solchen definiert? Oder ist es ein „Lebensgefühl“ und ein Zusammenspiel dreier Sportarten, die man abwechselnd unter der Woche trainiert? Meines Erachtens zählt die Leidenschaft für den Sport. Und die habe ich mir trotz des Ermüdungsbruchs 2018 nicht nehmen lassen – oder war das vielleicht der Fehler. Sicher ist, dass ich trotz der Kenntnis über die Verletzung, diese nicht so ernst genommen habe, dass ich umgehend Schritte in Richtung Heilung eingeleitet habe – und das erinnert mich ein wenig an die derzeitige Situation im Lande. Jeder weiß um die Infektion, die Ansteckungs- bzw. eher Übertragungsgefahr, aber solange noch alles offen hat, fällt es uns allen doch schwer „freiwillig“ auf unseren schönen Alltag zu verzichten. Und genau das habe ich auch nicht getan. Schwimmen meinte ich geht noch mit dem Fuss und Radfahren – ok nach 8 Wochen kurzer Pause auch das wieder („ein kleiner permanenter Druckschmerz beim Fahren im Fuss ist ja nicht schlimm…“). Alles was irgendwie geht, wird gemacht und ein Indianer kennt bekanntermaßen auch kein Schmerz. Doch manchmal sollte man die Hinweise des Körpers verstehen lernen. Und wer nicht hören will, muss fühlen. Fühlen wie es ist, wenn man zu viel abverlangt, wie lange diese Verletzungsphase dann halt andauert. Und genau bis heute. Noch immer kann ich nicht wieder normal trainieren. Aber viele die mich auf Strava verfolgen, sehen vermutlcih, dass ich tagtäglich irgendeine sportliche Ertüchtigung absolviere. Klar, das mache ich auch, zum einen um meiner Sucht nach Bewegung nachzugehen und zum anderen um die Hoffnung irgendwann nochmal einen Triathlon zu bestreiten und diesen eben mit nicht allzu großem Trainingsrückstand. Wobei ich dieses Ziel ehricherweise derzeit für 2020 als sehr unrealistisch betrachte. Das Laufen ist einfach meine Leidenschaft und es fällt mir einfach unfassbar schwer dosiert das Training zu beginnen und dieses dann auch so fortzuführen. Da ich aber von Haus aus eher ein optimistischer Mensch bin, habe ich die Motivation noch immer nicht verloren – wenigstens in einer Disziplin mit Konzept zu trainieren.
Und das ist Schwimmen.
Bei meinem letzten Blogeintrag habe ich bereits über meinen neuen Trainer Jörn von Grabe berichtet. Nun ist aber wieder über ein halbes Jahr vergangen und es hat sich deutlich was getan. Und das hält meine Laune ganz weit oben! Nachdem ich eine längere Schwimmpause im November/Dezember einlegen musste – auch hier war ich wieder selbst an meiner Sportkarenz Schuld (da ich eine Operationsnarbe am Rücken ( Muttermal) zu früh wieder belastet habe, und diese dann nicht heilen wollte) – lief das Training ab Januar zwar zunächst etwas schleppend aber sobald ich zunehmendes Wassergefühl wiedergewonnen hatte, war ich ziemlich schnell auf Bestzeitkurs und das sogar im Trainingsalltag. Und nicht nur die Uhr bestätigte eigentlich nahezu jedes Training meinen Fortschritt, sondern auch das subjektive Gefühl bei diversen Einheiten: seit etwa 3 Wochen habe ich das erste Mal das Gefühl, dass ich ein Schwimm“training“ absolviere – soll heißen mit einer ähnlichen Belastung wie bei Lauf- oder Radintervallen. Also ebenso intensiv. Mal an seine Grenzen gehen. und nicht nur bei einem 200er…sonser bei 5×400 o.ä. Einheiten. Und ebenso die „longswim“ Einheiten (die es früher nie gab), kann ich diese mittlerweile fast so genießen und abschalten wie bei einem Dauerlauf. Und DAS ist ein Gefühl, was echt sau cool ist, denn jetzt habe ich den Eindruck ich „trainiere“ schwimmen und schwimme nicht nur stur den Plan runter, was ich etwa 6 Jahre gemacht habe. Kein Wunder dass kein Fortschritt zu erwarten war. Und diese Entwicklung ist ein Segen. Denn Schwimmen ist eine Sportart, die nicht nur ein Drittel des TriathlonTRAININGS ausmacht, sondern (hoffentlich) man bis ins hohe Alter ausüben kann. Und das ist meine eigentliche Motivation. Jetzt für das Alter zu trainieren. Hört sich seltsam an – aber ich finde die Überlegung nicht verkehrt. Auch wenn ich im Herzen ehrlicherweise lieber jeden Tag laufen würde – manche Dinge sollen einfach nicht sein, das habe ich mittels eines steinigen Weges erfahren und nun auch langssam aber sicher akzeptiert. Bestimmt fragt ihr euch was ich gemacht habe, um so einen Wandel im Schwimmen zu erleben. Eigentlich kann man es echt kurzfassen, denn die Formel ist ganz einfach:
Verletzungsbedingt ans Wasser gebunden
neue Motivation durch neuen Trainer gewonnen
guten Trainer (der nicht nur Schwimm – sondern auch Coach ist) erwischt
Ehrgeiz
Bewegungsdrang
Durchhaltevermögen

und da diese 6 (5) Punkte (ok auf den ersten kann man auch verzichten, aber bei mir war es der Auslöser) nahezu jeder Sportler mit sich bringt, kann ich nur sagen „make water your friend“!
und nun abschließend ein letzte Gedanke meinerseits:

Ich wünsche mir dass ich schleunigst die Balance zwischen Be- und Entlastung finde und mein Körper dann auch wieder bereits ist mich bei meinen sportlichen Zielen zu unterstützen. Und dann gibt’s hoffentlich auch wieder mehr Highlights vom Wettkampfgeschehen zu berichten, als ausschließlich meine Erfahrung der letzten 1.5 Jahre Verletzungsphase zu beschreiben.

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich zum einen an die „kurzzeitig“ Verletzten appellieren kann, dass eine 6 oder 8-wöchige Trainingspause vielleicht anfangs lang erscheinen mag, aber im Vergleich zu anderen es weitaus längere Verletzungsphasen gibt und dass ihr euch alle freuen könnt, wenn ihr in diesen Tagen nicht nur muskuloskelettal sondern vor allem covid-19 – gesund seid. Und wenigen Tage oder Wochen einer Sportkarenz / -reduktion / -alternative (ob durch die Regierung oder den Körper reglementiert) schaden euch sicher nicht. Je entspannter man die Dinge annimmt, die man nicht mehr rückgängig machen kann, desto leichter ist der Alltag für sich selbst und seine Mitmenschen!