Er ist vorbei – mein Rennbericht des Ironman 70.3

Nachdem das Jahr etwas holperig gestartet ist, und die ersten Rennen nicht wirklich zufriedenstellend waren, habe ich einige Dinge geändert. Zum einen habe ich das Training mehr nach meinem Arbeitsalltag angepasst, da ich mein Trainig nun wieder selbst steuere, und habe zudem geschaut, dass ich regelmäßig zumindest einmal zum Bahntraining meines Leichtathletikvereins gehe. Zusätzlich habe ich nochmal eine Blutanalyse gemacht und auch hier gab es Aufschluss auf die mangelnde Energie – denn es zeigte sich ich eine Eisenmangelanämie mit dem man so eigentlich keine Wettkämpfe bestreiten solle. Also hieß es ab sofort Eisen zu substituieren. Das tat ich auch ganz brav und siehe da – 8 Wochen später präsentierte ich ein super Blutbild und genauso fühlte ich mich auch. Zeigen konnte ich das beim Sprinttriathlons am Ammersee. Endlich wieder Energie, vor allem beim Radfahren. Daher traf ich auch erst dann – also relativ spät – die Entscheidung zur Anmeldung des 70.3 in Zell am See. Das stellte sich dann nach dem gestrigen Tag als eine gute Entscheidung dar.

Vor einem wichtigen Wettkampf versuche ich wenigstens einmal im Jahr mir ein paar Tage Urlaub vorab zu nehmen und den Stress so gering wie möglich zu halten. Daher sind wir bereits am Mittwochnachmittag nach meinem letzten Nachtdienst nach Fieberbrunn angereist. Da ich bereits im letzten Jahr beim 70.3 teilnahm, kannte ich Strecke, Parkplätze und Abläufe schon. Das entspannt nicht nur das Gemüt sondern auch das Zeitmanagement. Donnerstag also die Schwimmstrecke abgeschwommen. Freitag nochmal das Wasser getestet, da sich der See am Donnerstag rauer präsentierte, als ich es in Erinnerung hatte und somit durch das unruhige Wasser für mich das Schwimmen eher wieder zur Angstdisziplin wurde. Also gleich am nächsten Tag nochmal rein – hilft ja nichts – und plötzlich lief es wie geschmiert. Gut – somit die erste Angst genommen. Dann die Radstrecke mit dem Auto auch nochmal abgefahren, da die Erinnerung vom letzten Jahr an die Steigung nicht mehr so ganz präsent war. Im Auto wirkt die Strecke tatsächlich unendlich. Also der nächste Angstfaktor. Plan: am nächsten Tag nochmal mit dem Auto abfahren  und auch hier wars beim zweiten Mal gar nicht mehr so schlimm. Die Laufstrecke zu testen ersparte ich mir – wusste ich doch, dass die ohnehin immer recht schmerzhaft werden würde.

Samstag verlief dann, mit Ausnahme von mechanischen Probleme am Hinterrad, eigentlich alles ganz entspannt. Also Rad war eingecheckt – und ich versuchte mich einfach nur noch auf das Rennen zu freuen. Zudem fühlte ich mich aufgrund der zwei Tage Urlaub vorab und des deutlich reduzierten Trainings total energiegeladen und hatte einfach nur Lust auf die fünf Stunden Gas geben. So entspannt für meine Verhältnisse war ich selten an einem Rennmorgen. Dies war vor allem aufgrund der lieben Zusprüche am Vortag – DANKE dafür – Nun war es Sonntagmorgen.

Aufgrund des guten Zeitmanagements, waren wir extrem früh am Start und hatten genug Zeit für Einlaufen, Radcheck, Neo anziehen und was Frau sonst noch vor Startschuss machen muss – Rollingstart – genau mein Ding. Ich fand auch tatsächlich endlich mal Füße vor mir, hinter denen ich herschwimmen wollte. Es hat sogar beinahe Spaß gemacht das Schwimmen – ein ganz neues Gefühl. Dann ab aufs Rad. Hier hatte ich aufgrund der technischen Probleme des Laufrades etwas Sorge, heile über die 90km zu kommen, aber glücklicherweise hielt das Rad und ich versuchte das „Knarzen“ einfach zu ignorieren. Der Berg, vor jenem ich doch so viel Respekt hatte (war es doch sicher schon 3 Monate her, dass ich mal 14 km am Stück bergan gefahren bin) ging extrem schnell vorbei und mein Puls auf gar nicht so hoch hinaus, dass ich eher befürchtete zu wenig Druck aufzubringen und wieder in ein „Genussradeln“ zu verfallen, aber ich dachte dann „alle Körner, die ich hier spare, kann ich bei 21km noch verballern“. Auf der flachen Strecke nach dem Berg gab es quasi 50km zur „Erholung“ – so habe ich versucht in meinem angepeilten Wattbereich zu fahren, doch bei Km 70 meldete sich plötzlich mein Oberschenkelbeuger und so musste ich die letzten 20km ca. 20 Watt „rausnehmen“…sowas ist mir auch noch nie passiert. Anyway. Dann schnell in die Laufschuhe gewechselt und weiter gings. Da ich relativ viel „Schnelles“ auf der Bahn trainiert, hätte eine Pace von über 4 Minuten eigentlich nicht allzu anstrengend sein dürfen. Und genauso war es …anfangs… vermutlich wie bei allen anderen Athleten. Die ersten 10km verliefen super und dann wurde es immer mühsamer. Da ich aufgrund des Rollingstarts keine Ahnung hatte auf welchem Platz ich lag, hab ich einfach versucht, ohne mich von den eigenen Gedanken der Erschöpfung ablenken zu lassen, auf dem Tempo zu bleiben – was natürlich in der zweiten Runde nicht so klappte, wie in der Ersten, aber dennoch konnte ich das Tempo bis ins Ziel relativ konstant halten. Und so wurde ich tatsächlich belohnt mit dem 11. Gesamtplatz (hinter 7 Profidamen von insgesamt 10) und dem Sieg meiner Altersklasse. Von besonders großer Bedeutung bei dem Rennen war diesmal, dass meine Familie mit dabei war und mich tatkräftig unterstützt hat. Somit kann jetzt eine Woche Tirolurlaub beginnen und ich bin mehr als dankbar für diesen perfekten Renntag als Abschluss der Saison 2017.