Endlich mal ein Titel

So nun folgt auch noch ein Einblick in meine Gefühlswelt vor, während und nach dem Rennen an diesem besonderen Wochenende. Wie schon über die sozialen Medien berichtet, wurden alle Mitarbeiter des ärztlichen und pflegerischen Personals der Chirurgischen Klinik der LMU München am Freitag Abend kurz vor 19 Uhr per elektronischem Anruf umgehend aufgefordert in die Klinik zu kommen. Zunächst dachten (und hofften) wohl alle, dass es sich dabei wieder nur um den jährlichen Testanruf handelte. Mich erreichte der Anruf, als ich zu einer letzten lockeren Einheit auf dem Rad unterwegs war. Nachdem sich binnen kürzester Zeit herausstellte, dass der Anruf zum ersten Mal „echt“ sei, versuchte jeder so schnell wie möglich in der Klinik einzutreffen. Da ich nicht eine der ersten war, aufgrund des Rückweges, den ich noch zurückzulegen hatte, kam ich dennoch rechtzeitig als es gerade um die Teameinteilung ging. Man kann sich die Situation am besten vorstellen wie an einem Filmset. Es gab Einsatzleiter für jeden Bereich, diese ordneten jedem eine Funktion und einen Ort zu und dort hat das Team dann gemeinsam Bereitschaft gehalten. Die Anspannung 5 Stunden nicht zu wissen was tatsächlich draußen passiert, wie viel Verletzte es gibt, und die Ungewissheit der anstehenden Versorgungsnot, war unbeschreiblich. Zudem noch die Tatsache, dass keiner das Haus mehr verlassen durfte – ein komisches Gefühl. Kurz nach Mitternacht gab es dann endlich eine vorläufige Entwarnung der Situation, so dass die Notfallteams reduziert werden konnten. Für mich hieß es dann schnell das eigene Bett aufsuchen, denn ich hatte ja noch einiges vor am Wochenende. Nach so einem Tag und Abend, nicht zu vergessen, dass wir am Freitag ja regulär um 7:00 die Arbeit begonnen hatten, ist auch meine Batterie leer, so dass meine angepeilte Abfahrtszeit nach Leipzig von 9:00 auf 11:00 verschoben wurde, da mein Körper einfach nach Schlaf rief. Auf der Autofahrt hatte ich dann 4 Stunden Zeit für mich um die Ereignisse der vergangenen Stunden zu verarbeiten, dabei halfen mir einige Telefonate mit lieben Menschen. Ich muss ehrlich zugeben, ich war irgendwie froh „reißaus“ nehmen zu dürfen. In Leipzig schien zu dem noch kräftig die Sonne und ich traf Marco und freute mich als ich die Startunterlagen holte auf das morgige Rennen. Während ich mir schon mal die Wechselzone und den See anschaute, traf ich auf einen Bekannten, der quasi zum Inventar des Ausrichter Vereins gehörte und mir dann ein wenig von dem Rennen und vor allem den Starterinnen erzählte. Seinen Erzählungen nach starten dort wohl immer relativ starke Frauen, die regional zu den Topathleten gehören. Wie man (Frau) halt so vor einem Rennen ist, ließ ich mich total einschüchtern, und hoffte auf eine Top Ten Platzierung overall, um die frühe Siegerehrung mitzunehmen 😉 – eigentlich könnte mir die Gesamtplatzierung ja egal sein, war ich doch eigentlich nur aufgrund der Deutschen Meisterschaft der Ärzte und Apotheker angereist, dennoch interessiert mich natürlich (wie wahrscheinlich jeden von uns) auch die Gesamtplatzierung. Ohne mir weiter Gedanken zu machen, ließ ich den Tag und das Rennen auf mich zukommen, gut bis auf einen Blick vorab in die Ergebnisliste vom letzten Jahr 😉 . Am nächsten Morgen war ich irgendwie, anders als sonst, total müde und noch überhaupt nicht in Wettkampfstimmung. Als ich aber beim Einchecken des Rades auf 3 bekannte Gesichter traf, hob das die Stimmung, es macht einfach mehr Spaß Rennen zu bestreiten wenn man Teilnehmer und Publikum kennt. Dann ging es auch schon bald rasch los. Meine Devise beim Schwimmen hieß es diesmal entspannt loszulegen, und dann die letzten 500m auf der Geraden zuzulegen, vor allem da ich es gar nicht mehr gewohnt war in einer Startwelle von etwa 300 Schwimmern (inklusive der Männer) am Start zu sein. Die Schwimmzeiten kann man immer schwer einordnen, meine Uhr zeigte eine viel längere Distanz an, aber das beim Freiwasserschwimmen eh zweitrangig – Platzierung zählt. Fakt ist, ich muss mich(wie immer) beeilen, denn die Aufholjagd beginnt genau mit dem ersten Bodenkontakt der Füße nach dem Ausstieg. Meinen Neo muss ich mir dann so vom Leibe gerissen haben, dass ich ihn zerriss 😉 – ist mir dann zu hause aufgefallen- also da kann ich mir hinsichtlich Motivation keinen Vorwurf machen ! So ab aufs Rad. 4x10km auf einer schönen flachen, etwas windanfälligen Strecke. Viele Athleten, die schnellen Jungs zu schnell und meine Schwimmgruppe zu langsam. Aber dieses Zeitfahren hat irgendwie richtig bock gemacht, nach den Kurven immer wieder Antritte – und versuchen die Wattzahl hochzuhalten. Der Radsplit war ziemlich kurzweilig. Bei der Einfahrt in die Wechselzone hatte ich noch immer keinen Schimmer wo ich mich befand, doch als der Moderator dann meinen Namen als eine der Top 10 nannte, freute ich mich, das erste Ziel zumindest erreicht zu haben. Dann Schuhe an und los. Ich erhielt dann die Info aus dem Publikum „3min ca.“ ok , was bedeutet das? Auf die nächste Frau, die direkt vor mir lag, auf die erste Frau der Ärzte und Apotheker oder auf die erste Dame. Die Strecke war zwar komplett das Gegenteil der Radstrecke (ein asphaltiertes Quadrat) aber aufgrund des wechselnden Belags und der Kulisse (Seeweg, Waldweg, Gartenkolonie, Hauptstrasse) auch recht angenehm zu laufen, da es nie eintönig war. Schnelle Strecke? Mag man aufgrund der Laufsplitzeiten vermuten, aber die Strecke war deutlich kürzer. Aber dennoch konnte ich laufend die Aufholjagd mit dem 2. Gesamtplatz Frauen beenden und wie schon erwähnt viel toller – ich durfte als schnellste Frau der antretenden „Ärzte und Apotheker“ durchs Zielbanner laufen!!!
Mit diesem Wettkampftag lässt sich mal wieder bestätigen, dass trotz unvorhersehbarer Ereignisse vorab und einem unguten Gefühl am morgen, mittels strukturiertem Trainingsaufbau (wenn auch teilweise aufgrund von Diensten doch spontan umgeplant werden muss, dank der individuellen Betreuung durch meine Trainerin Julia aber toller Weise ermöglicht wird) und dessen kontinuierliche tagtägliche Umsetzung, trotzdem der IST-Zustand der aktuellen Leistung abgerufen werden kann. Solche Momente zeigen mir, dass sich die Investition meiner relativ begrenzten Freizeit in das tägliche Training lohnt und geben mir noch ein Quäntchen zusätzliche Motivation für die noch anstehenden Rennen und abendlichen Trainingseinheiten.