Artikel in der Leipziger Volkszeitung vom 26.07.2016

LV_26.7.2016

Dittmar, Christian: Vom OP aufs Siegertreppchen, in: Leipziger Volkszeitung (2016), Ausgabe vom 26.07.2016, S. 23.

Endlich mal ein Titel

So nun folgt auch noch ein Einblick in meine Gefühlswelt vor, während und nach dem Rennen an diesem besonderen Wochenende. Wie schon über die sozialen Medien berichtet, wurden alle Mitarbeiter des ärztlichen und pflegerischen Personals der Chirurgischen Klinik der LMU München am Freitag Abend kurz vor 19 Uhr per elektronischem Anruf umgehend aufgefordert in die Klinik zu kommen. Zunächst dachten (und hofften) wohl alle, dass es sich dabei wieder nur um den jährlichen Testanruf handelte. Mich erreichte der Anruf, als ich zu einer letzten lockeren Einheit auf dem Rad unterwegs war. Nachdem sich binnen kürzester Zeit herausstellte, dass der Anruf zum ersten Mal „echt“ sei, versuchte jeder so schnell wie möglich in der Klinik einzutreffen. Da ich nicht eine der ersten war, aufgrund des Rückweges, den ich noch zurückzulegen hatte, kam ich dennoch rechtzeitig als es gerade um die Teameinteilung ging. Man kann sich die Situation am besten vorstellen wie an einem Filmset. Es gab Einsatzleiter für jeden Bereich, diese ordneten jedem eine Funktion und einen Ort zu und dort hat das Team dann gemeinsam Bereitschaft gehalten. Die Anspannung 5 Stunden nicht zu wissen was tatsächlich draußen passiert, wie viel Verletzte es gibt, und die Ungewissheit der anstehenden Versorgungsnot, war unbeschreiblich. Zudem noch die Tatsache, dass keiner das Haus mehr verlassen durfte – ein komisches Gefühl. Kurz nach Mitternacht gab es dann endlich eine vorläufige Entwarnung der Situation, so dass die Notfallteams reduziert werden konnten. Für mich hieß es dann schnell das eigene Bett aufsuchen, denn ich hatte ja noch einiges vor am Wochenende. Nach so einem Tag und Abend, nicht zu vergessen, dass wir am Freitag ja regulär um 7:00 die Arbeit begonnen hatten, ist auch meine Batterie leer, so dass meine angepeilte Abfahrtszeit nach Leipzig von 9:00 auf 11:00 verschoben wurde, da mein Körper einfach nach Schlaf rief. Auf der Autofahrt hatte ich dann 4 Stunden Zeit für mich um die Ereignisse der vergangenen Stunden zu verarbeiten, dabei halfen mir einige Telefonate mit lieben Menschen. Ich muss ehrlich zugeben, ich war irgendwie froh „reißaus“ nehmen zu dürfen. In Leipzig schien zu dem noch kräftig die Sonne und ich traf Marco und freute mich als ich die Startunterlagen holte auf das morgige Rennen. Während ich mir schon mal die Wechselzone und den See anschaute, traf ich auf einen Bekannten, der quasi zum Inventar des Ausrichter Vereins gehörte und mir dann ein wenig von dem Rennen und vor allem den Starterinnen erzählte. Seinen Erzählungen nach starten dort wohl immer relativ starke Frauen, die regional zu den Topathleten gehören. Wie man (Frau) halt so vor einem Rennen ist, ließ ich mich total einschüchtern, und hoffte auf eine Top Ten Platzierung overall, um die frühe Siegerehrung mitzunehmen 😉 – eigentlich könnte mir die Gesamtplatzierung ja egal sein, war ich doch eigentlich nur aufgrund der Deutschen Meisterschaft der Ärzte und Apotheker angereist, dennoch interessiert mich natürlich (wie wahrscheinlich jeden von uns) auch die Gesamtplatzierung. Ohne mir weiter Gedanken zu machen, ließ ich den Tag und das Rennen auf mich zukommen, gut bis auf einen Blick vorab in die Ergebnisliste vom letzten Jahr 😉 . Am nächsten Morgen war ich irgendwie, anders als sonst, total müde und noch überhaupt nicht in Wettkampfstimmung. Als ich aber beim Einchecken des Rades auf 3 bekannte Gesichter traf, hob das die Stimmung, es macht einfach mehr Spaß Rennen zu bestreiten wenn man Teilnehmer und Publikum kennt. Dann ging es auch schon bald rasch los. Meine Devise beim Schwimmen hieß es diesmal entspannt loszulegen, und dann die letzten 500m auf der Geraden zuzulegen, vor allem da ich es gar nicht mehr gewohnt war in einer Startwelle von etwa 300 Schwimmern (inklusive der Männer) am Start zu sein. Die Schwimmzeiten kann man immer schwer einordnen, meine Uhr zeigte eine viel längere Distanz an, aber das beim Freiwasserschwimmen eh zweitrangig – Platzierung zählt. Fakt ist, ich muss mich(wie immer) beeilen, denn die Aufholjagd beginnt genau mit dem ersten Bodenkontakt der Füße nach dem Ausstieg. Meinen Neo muss ich mir dann so vom Leibe gerissen haben, dass ich ihn zerriss 😉 – ist mir dann zu hause aufgefallen- also da kann ich mir hinsichtlich Motivation keinen Vorwurf machen ! So ab aufs Rad. 4x10km auf einer schönen flachen, etwas windanfälligen Strecke. Viele Athleten, die schnellen Jungs zu schnell und meine Schwimmgruppe zu langsam. Aber dieses Zeitfahren hat irgendwie richtig bock gemacht, nach den Kurven immer wieder Antritte – und versuchen die Wattzahl hochzuhalten. Der Radsplit war ziemlich kurzweilig. Bei der Einfahrt in die Wechselzone hatte ich noch immer keinen Schimmer wo ich mich befand, doch als der Moderator dann meinen Namen als eine der Top 10 nannte, freute ich mich, das erste Ziel zumindest erreicht zu haben. Dann Schuhe an und los. Ich erhielt dann die Info aus dem Publikum „3min ca.“ ok , was bedeutet das? Auf die nächste Frau, die direkt vor mir lag, auf die erste Frau der Ärzte und Apotheker oder auf die erste Dame. Die Strecke war zwar komplett das Gegenteil der Radstrecke (ein asphaltiertes Quadrat) aber aufgrund des wechselnden Belags und der Kulisse (Seeweg, Waldweg, Gartenkolonie, Hauptstrasse) auch recht angenehm zu laufen, da es nie eintönig war. Schnelle Strecke? Mag man aufgrund der Laufsplitzeiten vermuten, aber die Strecke war deutlich kürzer. Aber dennoch konnte ich laufend die Aufholjagd mit dem 2. Gesamtplatz Frauen beenden und wie schon erwähnt viel toller – ich durfte als schnellste Frau der antretenden „Ärzte und Apotheker“ durchs Zielbanner laufen!!!
Mit diesem Wettkampftag lässt sich mal wieder bestätigen, dass trotz unvorhersehbarer Ereignisse vorab und einem unguten Gefühl am morgen, mittels strukturiertem Trainingsaufbau (wenn auch teilweise aufgrund von Diensten doch spontan umgeplant werden muss, dank der individuellen Betreuung durch meine Trainerin Julia aber toller Weise ermöglicht wird) und dessen kontinuierliche tagtägliche Umsetzung, trotzdem der IST-Zustand der aktuellen Leistung abgerufen werden kann. Solche Momente zeigen mir, dass sich die Investition meiner relativ begrenzten Freizeit in das tägliche Training lohnt und geben mir noch ein Quäntchen zusätzliche Motivation für die noch anstehenden Rennen und abendlichen Trainingseinheiten.

Auf dem Treppchen mit der Weltmeisterin

Nachdem ich am vergangenen Wochenende in Kulmbach bereits auf der olympischen Distanz gestartet bin, das Rennen aber aufgrund eines schweren Unfalls abgebrochen wurde, probierte ich es vergangenen Sonntag in Erding aufs Neue. Eigentlich bin ich es leid, ständig übers Wetter zu schimpfen, aber die Motivation bei milden Temperaturen und Sonnenschein ist eben größer als bei kühlem Nass. Wie dem auch sei, das Regenradar zeigte über den Tag keine Veränderung so dass man sich wenigstens an dem Aspekt erheitern konnte, dass die Wassertemperatur immerhin die Lufttemperatur toppte ;-).

Somit schlüpfte ich in meinen Neo und versuchte die Schwimmstrecke so geradlinig wie möglich zu absolvieren. Da die Bojen relativ weit voneinander entfernt gesetzt waren, gar nicht sooo einfach, für eine „Ente“ wie mich. Auch wenn meine Splitzeit nicht gerade für eine top Schwimmqualität spricht, ist es dennoch so, dass ich mich von Wettkampf zu Wettkampf immer wohler im Wasser fühle, kaum mehr Angst vor der Disziplin verspüre, mittlerweile sogar den Vorteil vom „Wasserschatten“ für mich entdeckt habe und sogar beim Start nicht mehr warte bis „die schnellen“ Schwimmer los sind. Ich weiß alles Selbstverständlichkeiten für viele, aber für einen Nichtschwimmer schon ein großer Gewinn. Klar, das macht noch keine gute Schwimmzeit aus, aber wenn sich einige noch erinnern können wie ich mich bei meinen ersten Wettkämpfen angestellt habe, ist das doch ein deutlicher Fortschritt. Jetzt muss ich nur noch schneller werden 😉 und das haben wir (www.viellehner-running.de) für den nächsten Winter ganz oben auf der To-do liste! Somit konnte ich in Erding immerhin als 8. Frau das Wasser verlassen.

Ein schneller Wechsel war das dieses Mal leider nicht, da mich der Entschluss eine Weste mit auf die „Reise“ zu nehmen bestimmt 30 Sekunden kostete. Egal, trotz des langsamen Wechsels konnte ich auf den ersten Kilometern schon die ersten Plätze gut machen. Und die Sorge dass das kühle Nass die Leistung beeinflussen könnte war völlig übertrieben. Das Radeln machte sogar echt Spaß. Die später Zweitplatzierte wechselte nach dem Schwimmen sogar noch mit mir aber hatte deutlich mehr Druck auf den Pedalen, so dass ich nur noch beobachten konnte wie der „blaue Fleck“ sich immer weiter entfernte. Dranbleiben? …keine Chance! Allerdings versuchte ich – dank neuer Pedale – in meinen angepeilten Wattbereich zu fahren, was auf einer komplett flachen Strecke gar nicht so einfach ist, da man doch dazu neigt in einen „Wohlfühl“-Einheitstritt zu kommen. Daher bevorzuge ich ganz klar bergiges/welliges Profil.

Nach den 40 Kilometern konnte ich immerhin als 3. Frau auf die Laufstrecke gehen. Und Marco rief mir nur zu, dass die 2. Frau ca. 2-3 Minuten Vorsprung hätte. Da ich die Athletin aber nicht kannte, rannte ich einfach mal munter los. Beine fühlten sich eigentlich gut an allerdings war ich die ersten 2Km komplett einsam unterwegs. Keine Zuschauer, keine Sportler. Der kurvige Rundkurs lag mir irgendwie nicht, so dass ich auch hier mühe hatte, das Tempo zu halten. Somit konnte ich nur eine Minute auf die Zweitplatzierte auflaufen, und lief, total zufrieden, als 3. Frau über die Ziellinie.

Nachdem ich die spätere Siegerin, Katrin Esefeld, bereits vor dem Start traf, war mir eh klar, dass die Konkurrenz nicht von schlechten Eltern ist. Dennoch ist es schon cool, hinter zwei national bekannten Frauen ins Ziel zu kommen und eine Trainerin zu haben, die gerad Deutsche Vizemeisterin geworden ist! Und trotz der Schlammschlacht hat das Rennen echt Spaß gemacht und der Veranstalter hat wieder mal gezeigt dass gute Organisation die halbe Miete ist und das Wetter doch nur das i-Tüpfelchen ausmacht.

My Emotions of Trimotion 111.

Nachdem das Rennen nun schon eine Woche her ist, wollte ich noch kurz über das Rennen berichten. Die Zahl 111 setzt sich übrigens aus 1km Schwimmen (kommt mir SEHR entgegen), 100km Rad (als Vorbereitung für die Mitteldistanz liegt hier der Hauptfokus) und am Ende noch 10km laufen zusammen. Die „kurze“ Laufstrecke ist der eigentliche Vorteil dieses Rennformats, denn das finale Laufen ist jene Belastung, die mir am meisten auf die „Knochen“ geht und somit eine längere Erholungsphase bedarf. Die man zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt gebrauchen kann ;-), daher ist ein Auftaktrennen mit „nur“ einem 10km Lauf eine feine Kombination aus Ausdauerbelastung unter 4 Stunden ohne maximal das muskuloskeletale System zu beanspruchen.
Letztes Jahr bestritt ich nur den kleinen Bruder, also die halbe Distanz des 111er Wettkampfs, und hätte mir damals nie erträumen lassen, dass ich mich bereits 1 Jahr später an die doppelte Strecke wage. Da ich dieses Jahr aber bereits im Frühjahr den Fokus vor allem aufs Rad legte und in Italien ja noch einige bergige Kilometer sammelte, traute mir Julia Viellehner und ich mir selbst dann doch auch die längere Strecke zu. Das Gute an einer neuen Herausforderung ist immer, dass man keinerlei Erwartungen oder große Ziele vorab hat, so dass ich vom Kopf her ziemlich entspannt an das Rennen herangehen konnte. Leider muss ich mir doch eingestehen, dass ich oft zu unentspannt und verkrampft an Wettkämpfe herangehe, was vielleicht einerseits positiv ist um Spannung aufzubauen, allerdings wenn man die Nacht vorm Wettkampf vor Aufregung kaum ein Auge zukriegt, hält sich der Vorteil dieser Aufregung auch wieder in Grenzen ;-)… Wie dem auch sei, die Spannung stieg natürlich dennoch je näher der Startschuss rückte. Meine „Angstdisziplin“ – das Schwimmen – galt es wie immer zu überstehen und „dann geht das Rennen los“ (sag ich mir immer). Das Wasser war mit 19 Grad auch im Vergleich zu dem letzten See, den ich 3 Tage zuvor testete gefühlt wie eine Badewanne. Von daher trug auch die Wassertemperatur zum Wohlfühlen bei. Ein weiterer sehr angenehmer Aspekt war die Teilnehmerzahl, denn bei 25 Frauen gab es natürlich kaum Gerangel, somit keine Panik und demnach erfolgte ein solides gleichmäßiges Schwimmen für mich, welches ich mit einer unglaublich guten Position für mich als 5. Frau abhaken konnte. Dann aufs Rad. 6 Runden à 17km mit 245hm waren zu bewältigen. Ich hätte echt nicht gedacht, dass die 100km so schnell vergingen. Die Runden bedurften großer Konzentration, aufgrund des sehr abwechslungsreichen Höhenprofils und insgesamt einer sehr kurvenreichen Strecke. Somit war man nur damit beschäftigt immer im richtigen Moment zu bremsen oder wieder anzutreten. Ich hatte zwar schon gemerkt, dass ich ein paar Frauen vor mir während der vielen Km einholen konnte, allerdings hatte Marco auch den Überblick verloren, da er selbst zwischendurch das gute Wetter zum radeln nutzte 😉 – so hatte ich wenigsten kein schlechtes Gewissen, dass er 3 Stunden an der Radstrecke stehen musste.
Nachdem die Beine schon etwas müder wurden, wurde es die Sonne ebenso. Eine dunkle Gewitterfront zog heran. Ich hoffte insgeheim nur, dass das Unwetter bitte noch so lange gefälligst warten soll bis ich vom Rad abgestiegen bin. Und ich hatte Glück, das tat es auch. Es folgte die Laufstrecke. Und hier hieß es nicht nur 10km einfach abspulen. Nein die Österreicher zeigten uns Städtebürgern was es heisst in den Bergen zu sein. 50% der Strecke gingen flach um den See herum, aber die anderen 50%, die auch die Zuschauer nicht zu sehen bekamen, gingen einen kleinen (trailartigen) Pfad in einen Wald hinein. Glücklicherweise hatte ich keine Probleme mit Wadenkrämpfen, was einige der schnellen Männer wohl plagte, aber die bergan-Strecken forderten auch mir die letzten Körner. So lief ich 2 mal diese anstrengende Runde ab und überholte glaub ich noch mindestens zwei Frauen, die vor mir zu sein schienen. Unwissend auf welchem Platz ich lag, brach das Unwetter dann ca. 1 km vor Ziel ein. Es stürmte wie wild. Die letzten Meter des Zieleinlaufs „stand“ ich quasi gegen den Wind. Das ganze Orga-Team war nur noch mit der Sicherung der Räder und aller möglichen umzustürzenden Absperrungen beschäftigt. So lief ich ins Ziel, erhielt noch von einer netten jungen Helferin meine Medaille, fiel Marco in die Arme und der sagte nur „los schnell lass das Rad holen, hier geht’s gleich richtig los“ – d.h. keine Zielverpflegung, schnell das Rad aus der Wechselzone, dann ab ins Auto und Richtung Fieberbrunn. Zu hause angekommen wagte ich dann einen Blick auf die Ergebnisliste und konnte es kaum glauben, dass mein Name ganz oben stand. Völlig überrascht und ungläubig klickte ich immer wieder auf aktualisieren und war eigentlich bis zur Siegerehrung, die erst um 20:30 erfolgte, sicher dass ich nicht gewonnen hätte. Aber so war es! Mega coole Geschichte 😉 . Auf der Siegerehrung erfuhren wir dann noch, dass aufgrund des extremen Unwetters das Rennen frühzeitig beendet werden musste. Sowas hab ich auch noch nie erlebt, aber dann ist es auch im Nachhinein verständlich dass die Moderatoren im Moment des Unwetters keine Aufmerksamkeit mehr für Moderation und Nennung der 1. Frau hatten ;-)…
Glücklicherweise gibt’s ja heutzutage die live Ergebnisse im Netz!
Ach und abschließend noch zu erwähnen ist der Trimotion in Saalfelden ein sehr schöner, super organisierter Wettkampf ist, der trotz recht großem Teilnehmerfeld seinen familiären Charme nicht verloren hat!
Und es zeigt sich doch (für mich), dass Hartnäckigkeit und ein strukturell geplantes Training irgendwann Früchte trägt 😉 Danke an Julia und Tom (www.viellehner-running.de).

Saison 2016

Engelchen und Teufelchen…

Eigentlich macht mir das Schreiben von schönen und zufriedenstellenden Momenten aus meinem Sportlerleben mehr Spaß als über die Schattenmomente zu berichten. Daher erfolgt mein Bericht über den Berliner Halbmarathon auch etwas mit Verspätung. Die Tränen mussten erstmal getrocknet, die 21 Kilometer analysiert und der Blick wieder nach vorne gerichtet werden. Zeit heilt alle Wunden, wie man so schön sagt. „True story“ 😉 . Nachdem ich letztes Jahr mit einer (für mich) schnellen Zeit in Berlin die 21,1km finishen konnte, war die Vorfreude auf den Wettkampf sehr groß. Wie das Leben spielt, verliefen die letzten 4 Wochen – auch wenn ich mir das vorher nicht eingestehen wollte – nicht optimal. Trotzdem ich jeweils eine Woche im Februar und eine Woche im März im Trainingslager war, gab es zu viele andere Zwischenfälle, die leider keine 100%ige Leistung am Tag X zum abrufen ermöglichten. Bereits auf Mallorca meldete sich meine Wade nach guten anfänglichen Lauf- und Radeinheiten und verhinderte daher ein Lauftraining für etwa sechs Tage und in der Folge auch zunächst mit angezogener Handbremse. Zusätzlich machte uns Petrus während des kurzen Aufenthalt auf Mallorca auch einen Strich durch die Rechnung und zeigte uns fast täglich, dass es auch auf der „Sonneninsel“ regnen kann. Dem konnte auch mein sonst recht starkes Immunsystem nichts mehr entgegnen und gab „Kleinbei“. Auch da musste ich etwas „Gas rausnehmen“. Zusätzlich hatte ich die letzten zwei Wochen vor dem Rennen beruflich ziemlich viel zu tun, so dass ich weder mental noch physisch regenerieren konnte. Die Gedanken waren woanders und ich hatte ehrlich gesagt wenig Energie für qualitativ hochwertige Trainings übrig. Wie verhext meldete sich meine Wade (die 2 Wochen komplett schmerzfrei war) bei einem letzten Abschlusstraining auf der Bahn fünf Tage vor dem Rennen. Zu spät brach ich das Training ab (auch das bedarf einen starken Kopf) und versuchte die letzten fünf Tage irgendwie diese blöde Verhärtung aus der Wade herauszubekommen. Leider gelang es mir nicht und noch an der Startlinie war ich unsicher ob ich vielleicht doch lieber nicht antreten sollte.

Der Lauf wurde dann neben einem begleitenden kontinuierlichen Stechen in der Wade sehr lang und anstrengend. Mehr braucht man dazu nicht sagen. Zur Analyse nur ein paar Gedanken: Training kann man theoretisch planen, aber meinen Klinikalltag nicht und da liegt auch die Ursache. Trotzdem bin ich der Meinung dass es gerade sinnvoll ist, wenn nur wenig Zeit in der Woche für Training aufgewandt werden kann, dass dieses vernünftig geplant wird, daher bin ich überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit Julia (viellehner-running.de) mich weiterbringen wird. Niederlagen gehören beim besten Athleten dazu, und daran ist nicht der Trainer Schuld! Ein solides Fundament sollte aber bestehen und das tut es. Der Sport ist (je nach Job) einem „leistungsorientierten Hobbyathleten“ dem beruflichen Alltag untergeordnet. Sicherlich ist das jedem klar aber dennoch will man das nicht wahrhaben, und versucht täglich sein Training „durchzuprügeln“, aber das Regeneration auch zur Leistung dazugehört, wird da oftmals vergessen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich trotz eines langen und anstrengenden OP Tages (nach welchem mein Körper – und Geist – vielleicht schon genug geleistet hätte), nie auf mein Training verzichte, es sei denn der Tag endet erst nach 21 Uhr… Wahrscheinlich wäre die schlauere Variante lieber an jenen Tagen das Training zu skippen, und dann ausgeruht am nächsten Tag das Training fortsetzen. Da liegt genau das Problem. Ich habe das Gefühl dass auf meiner Schulter ein Engel und ein Teufel sitzen. Das Engelchen lässt zwar die Option „spontaner Ruhetag“ kurz anklingen, aber im gleichem Atemzug übertönt das Teufelchen „Training, Training, Training….“ …. Diese Abwägungen mal ein Training ausfallen zu lassen, kennen wahrscheinlich viele Berufstätige. Ich habe nur nach dem vergangenen Wochenende gelernt, dass man einfach nicht alles haben kann im Leben, beziehungsweise, dass man seinem Körper nicht auf Zuruf in allen Bereichen das Maximum abfordern kann – Leistungsfähigkeit zum Wettkampf resultiert nicht nur aus Trainingseinheiten, nein!, am Tag X müssen einfach ALLE Komponenten zusammenlaufen.

Nichtsdestotrotz, so einfach lasse ich mich nicht unterkriegen… der Ehrgeiz ist noch da ;-). Ich habe jedenfalls an diesem Wochenende einen weiteren Lauf bestritten! Es gab keine großen Erwartungen an die Zielzeit , vielleicht ein paar geheime Wünsche, aber das Hauptziel sollte sein endlich wieder Spaß an einem Laufwettkampf zu haben und diesen vor allem schmerzfreit zu bestreiten. So konnte ich beim 10. Berliner Airport Run über die 10km Strecke den ersten Platz in einer guten Tempodauerlauf Zeit mit knapp unter 40 Minuten für mich entscheiden. Es hat total Spaß gemacht bekannte Gesichter zu treffen und meine Eltern an der Start- und Ziellinie zu sehen. Jetzt ist das Krönchen wieder gerade gerückt, auch wenn ich keine Höchstleistungen auf den Asphalt bringen konnte, aber das Lächeln ist wieder zurück. In diesem Sinne – weiter geht’s mit der Triathlonsaison.

Ein weiteres Triathlonjahr ist nun passé – Bericht der letzten Wochen ohne Schnee ;-)

Nachdem ich nun dieses Jahr die Mitteldistanz auf meiner „To-do“ Liste abhaken konnte, neigte sich die Saison dem Ende. Da der Wettergott es sau-gut mit uns Outdoorsportlern meinte, konnte man eigentlich bis letzte Woche draußen noch seine Runden drehen. Fantastisch!! Leider wurde eine sommerliche Ausfahrt im November für mich unvergesslich. War ich schon fast zu hause angekommen, rutsche ich ungeschickterweise in voller Fahrt auf dem nassen Laub aus und bremste mit Hüfte und Kopf (Gott sei dank mit HELM!). Dieser Aufprall blieb meiner Hüfte noch 3 Wochen in Erinnerung. Der Kopf erholte sich glücklicherweise recht schnell (Dickkopf und so….), auch wenn ein neuer Helm her musste! Die Ursache war eigendiagnostisch eine Adduktorenzerrung / -anriss, denn an Laufen war satte 3 Wochen nicht zu denken. Aber dennoch Glück im Unglück dass ich nicht mit der klassischen Clavikulafraktur nach Hause kam …und pausieren kannte ich ja aus 2015 bereits.

Mein erster Laufwettkampf nach der ungewollt langen Pause war dann ein Nikolauslauf – dienstbedingt nicht in München – sondern etwas verspätet in Landsberg. Der 10km Lauf mit einer zweimal zu bewältigenden Treppe (siehe Foto) endete für mich mit dem Damensieg. Ein netter Einstieg in die Winterlaufsaison. Und dank des familiären Organisationskomitees ein Lauf den man wärmstens empfehlen kann.

Da ich aus den immer wiederkehrenden Überlastungsverletzungen gelernt habe (hoffentlich), entschloss ich mich auf Anraten / Bremsen meiner Trainerin das Jahr nur noch mit dem klassischen Silvesterlauf zu beenden. Und es ist eine besondere Ehre bei dem Heimatverein überhaupt an den Start gehen zu dürfen – sollte man eigentlich als Helfer neben der Strecke anpacken. Vielen Dank an die Orga!! Und so konnte ich bei winterlich, aber trockenen Streckenverhältnissen, relativ konstant knapp unter 4min/km die 10km Strecke absolvieren. Und dank dem Heimvorteil macht dieser Lauf tatsächlich großen Spaß und es ist schön kurz vor Jahreswechsel so viele liebe Menschen zu treffen.

Nun wünsche ich allen ein frohes und vor allem gesundes Neues Jahr. Guten Rutsch und auf viele schöne Sportmomente 2016. Bis nächstes Jahr!!

Eure Elli

Ende gut alles gut

Ein altbewährter Satz, der doch so oft zutrifft. Auch für meine Saison 2015. Diese endete mit dem Zieleinlauf meiner ersten „echten“ Mitteldistanz am 17.Oktober in dem schönen Ort „Paguera“ auf Mallorca. Die Entscheidung bei der Half- Challenge mitzumachen fiel Ende August, quasi aus der Not des „Nicht – Laufen – Könnens“ – geboren. Manchmal sind ja Verletzungen auch für was gut, denn wahrscheinlich hätte ich mir die Mitteldistanz sonst gar nicht zugetraut. Genau 8 Wochen vor der Halbdistanz bin ich mit einem Dauerlauf erst wieder in das Lauftraining eingestiegen. Zuvor bin ich tatsächlich 9 Wochen keinen Schritt gelaufen (ich musste das gerad selbst nochmal nachzählen).

Von daher bin ich mit einer guten Rad-, einer „slow-but-steady“ -Schwimm- und einer mäßigen Laufgrundlage an die Startlinie getreten. Angereist sind wir an meinem ersten Urlaubstag und Mallorca empfing uns zwar mit ein paar Regentropfen, aber das sollte es auch bis zu unserer Abreise gewesen sein. Die Insel präsentierte sich mal wieder von ihrer besten Seite. Die Stadt war voll auf Triathlon eingestellt, neben den „normalen“ Touristen konnte man vier Tage lang alle möglichen „Spezies“ von Athleten bewundern.
Drei Tage hatte ich Zeit mich zu akklimatisieren bevor es „Race-day“ hieß. Die letzten Tage vor dem Rennen haben sich gut angefühlt und seltsamerweise konnte ich sogar besser schlafen als vor manch anderem 10km-Lauf. Vermutlich, weil ich einerseits genug Zeit hatte meine Leistung während des Wettkampfs abzurufen, ich andererseits diesmal keine Angst vorm Schwimmen haben brauchte (da das Thema „ Gedränge“ bei 50 Mädels im weiten Meer zu vernachlässigen war) und außerdem die Vorgabe von der Trainerin war „Locker schwimmen, ordentlich Radfahren und dann mit einem Lächeln ins Ziel laufen“ und genau so hab ich versucht das Rennen zu absolvieren.

Am meisten hatte ich Sorge vor einer Radpanne. Doch glücklicherweise blieb ich davon verschont! Selbstredend habe ich trotzdem keinen Genussausflug betrieben, aber der Körper zeigt einem schneller als man denkt bei einer hohen Dauerbelastung wo die eigenen Grenzen liegen, so musste ich nach Km 70 etwas „Fuß vom Gas/Pedal“ nehmen, da ich bei der tiefen Inspiration einen Reizhusten entwickelte. Beim Laufen merkte ich davon glücklicherweise nichts mehr, allerdings bin (gefühlt) ich die 21km eher gejoggt als gerannt, das lag vielleicht auch daran, dass die Strecke äußerst anspruchsvoll war: es galt vier Runden durch die Touristenavenue, inklusive Treppen abwärts, mehrfachen Anstiegen und 180 Grad Wendepunkten zu absolvieren. Nichts für Bestzeiten also und laut Garmin wurden sogar 213hm absolviert. Benötigt habe ich für den gesamten Wettkampf lange 5 Stunden und 6 Minuten. Belohnt dafür wurde ich mit dem 3. Platz in meiner AK und dem 4. Gesamtplatz Frauen (exklusive der Profifrauen, die allerdings auch zu einem früheren Zeitpunkt gestartet sind).

Fazit: bis auf das Laufen bin ich sehr zufrieden. Der Spaß war auf jeden Fall dabei, so dass es definitiv nicht meine erste und letzte Mitteldistanz war! Aber die nächste folgt dann doch erst im kommenden Jahr, denn jetzt heißt es, wie bei so vielen anderen Athleten auch, Saisonpause. Derzeit steht in meinem Trainingsplan „Sport nach Lust und Laune“. Auch das gehört zur Saisonplanung dazu. Und die werde ich weiterhin mit Julia und Tom (www.viellehner-running.de) betreiben. Ich denke das erste Jahr einer Zusammenarbeit ist immer durchwachsen. Wichtig ist, dass man aus Fehlern lernt, sich besser kennen und einschätzen lernt und ich denke dass wir viel aus dem Jahr 2015mitgenommen haben und das nächste Jahr 2016 hoffentlich ein paar schöne Ergebnisse bringen wird.

TransvorarlBERG Triathlon

Der Entschluss beim Transvorarlberg Triathlon mitzumachen, entstand eigentlich schon vor 3 Jahren, nachdem ich einen Bericht darüber gelesen habe. Die Idee im Flachland zu starten und in den Bergen zu finishen, finde ich faszinierend und so wollte ich schon seither dort mitmachen. Die letzten Jahre habe ich mich aber nie getraut – zu groß war der Respekt vor 93km Rad inklusive 2000 Höhenmetern. Aber da dieses Jahr eh alles anders kam als es die Planung vorsah, hatte ich nun viel mehr Radkilometer als sonst in den Beinen und somit schwand auch die Angst vor dem Radpart. Die Schwimmstrecke von 1,2km im Bodensee hatte nur minimalen Einfluss auf eine Anmeldung 😉 – allerdings wusste ich auch, dass die Laufstrecke kein Zuckerschlecken wird, denn auf den 12km sollten auch nochmal 270hm absolviert werden.

Nun die Vorbereitung war heuer fürs Rad würd ich sagen optimal, Schwimmen ohne Einschränkungen (jedoch ohne große Fortschritte *grrrr) und Laufen – interessante Bilanz: in den letzten 3 Monaten bin ich nur 123km gelaufen (Im Vergleich März bis Juni: 480km). Diese Zahlen nahmen mir aber komplett den Druck. Ziel war ordentlich zu schwimmen – Rad so gut wie möglich zu absolvieren und oben nicht als Eisblock anzukommen und dann schauen, dass ich die 12km ins Ziel bringe.

Nun ein paar Infos zu den Bedingungen: Der Bodensee war eine Badewanne mit 22 Grad, die Radfahrt hatte eine Durchschnittstemperatur von 8 Grad (bin unvernünftiger Weise mit nackten Knien geradelt ,was etwas „frisch“ war) und beim Laufen brauchte ich 7km bis ich meine Füße spüren konnte. Aber so verwöhnt wir von den letzten Monaten Sonne waren, so eisig war dieser Wettkampf, anscheinend gehört das aber zum „Trans“ dazu. Denn es gab seit der neuen Auflage noch nie Spätsommerwetter, sondern meist im Schnitt 10 Grad. Das einzige was einen etwas aufmuntert ist, dass es 500 andere Athleten gibt, die so verrückt sind bei dem Wetter nach Lech mit dem Rad zu fahren ;-).

Nun noch kurz meine persönlichen Impressionen: Es war das bisher längste (4:58h) Rennen meines Lebens, und auch wenn es keine klassische Mitteldistanz war (trotzdem wurde hier die Landesmeisterschaft Vorarlbergs ausgetragen), denke ich, dass ich dank gut geplantem Training (auch ohne Laufen) ausreichend vorbereitet war auf so eine Belastung. Denn beim Radfahren konnte ich tatsächlich einige Mädels einsammeln, und das nicht nur in der Ebene, sondern vor allem nach Kilometer 70, als der „Hammer“ namentlich „Hochtannbergpass“ kam.

Einen großen Beitrag hat auch meine Urlaubswoche in Fieberbrunn und Südtirol (Stilfser Joch) dazu beigetragen. Und wie es immer so ist, ist die Radzeit meist maßgebend für die Endplatzierung im Triathlon. Immerhin bin ich 8. Gesamtfrau (4.AK) geworden und nicht unter den Tisch zu kehren, konnte ich sogar noch eine Athletin überholen, die im Veranstaltungsheft angekündigt wurde. Da darf man schon ein wenig stolz sein ;-).

Aber was den Triathlon komplettierte, war das Wiedersehen zweier guten Freunde und der gemeinsame Start mit 2 Vereinskameraden. Eine gemeinsame Teilnahme an solchen Veranstaltungen ist meines Erachtens doch viel wertvoller als alleine irgendwo am Start zu sein! Danke euch dass ihr mich auch mental unterstützt habt und für die wertvollen Tipps und Tricks vorab! Ach und wer Bergfahren liebt, dem kann ich den „Trans“ nur „wärmstens“ empfehlen! Die Österreicher können einfach tolle Veranstaltungen ohne Massen“tourismus“ auf die Beine stellen.

Verletzungen – Das Beste draus machen und trotzdem lachen!

10 Wochen kein Laufschritt – das klingt für viele Läufer und Triathleten erstmal wie ein Gang durch die Hölle. Aber was soll man machen wenn jeder Schritt schmerzt? Mittlerweile könnt ich schon einen Ratgeber bezüglich Verletzungen herausgeben. Aber das macht die aktuelle Situation auch nicht besser, “hinterher ist man mal wieder schlauer“. Aber vielleicht kann man doch sagen, dass ich immerhin von Verletzung zu Verletzung etwas entspannter werde.
Erinnere ich mich noch an das Jahr 2006 als ich mit 17:42 auf 5000m die U23 Norm für die Deutschen Meisterschaften in Celle erlief und direkt ab dem Moment des Überquerens der Ziellinie für 5 oder 6 Monate nicht mehr laufen konnte. Das war übrigens mein erster Ermüdungsbruch im rechten (mal wieder) Schienbein. Damals bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Das mag vielleicht krass klingen, aber ich war doch gerade erst infiziert von der Leichtathletik gewesen. Witziger weise stammen meine 5 und 10km Bestzeiten noch aus diesem besagten Jahr. Damals war der Frust so groß, dass ich es noch nicht mal ertragen konnte, andere Läufer trainieren zu sehen. 10 Jahre später hab ich meinem Körper wieder zu viel zugemutet. „Viel“ ein unbestimmtes Zahlwort – wenn ich mir die Trainingsumfänge vieler meiner Facebookfreunde anschaue, dann ist mein wöchentlicher Umfang ein Witz dagegen. Aber das interessiert meinen Körper nicht, ganz im Gegensatz zu meinem Kopf. Der ist nie müde und hat immer Lust auf Laufen. Je mehr desto besser…
Aber zurück zu dem Leid der Nicht-Laufenden. Wie gesagt, damals ist eine (kleine) Welt zusammengebrochen, da mein Fokus nach dem Abi erstmal voll im Laufen lag, da ich noch kein Studienplatz hatte. Mittlerweile bin ich erwachsener geworden und habe zunächst mit dem Medizinstudium und nun mit dem Chirurgendasein mein Lebensinhalt gefunden. Und wie ein ehemaliger Trainier so schön sagte: Sport ist die schönste Nebensache der Welt.
Ich kann mich nur glücklich schätzen, dass ich jeden Tag aufs Neue in der Klinik mit den „wahren Problemen“ der Menschheit konfrontiert werde. Wie nichtig mir dann mein Schienbeinschmerz vorkommt, wenn ich junge Menschen mit Tumoren, komplexen Frakturen oder großen Weichteildefekten sehe, um nur einiges (aus meinem Fachbereich) zu nennen. Das tut gut und weckt einen immer wieder auf.
Dennoch liebe ich den Sport und – klar – bin ich auch mittlerweile ein Ausdauerjunkie. Und daher bin ich sau froh, dass ich zum Triathlon übersiedelt bin, denn hat mich damals eine Zwangslaufpause komplett aus dem Training gerissen, so konnte ich 2015 – dank einer super Trainingsbetreuung – die 10 Wochen extrem gut für die übrigen zwei Disziplinen nutzen. Mir ist durchaus bewusst, dass wenn ich mein Unterschenkel 6 Wochen komplett immobilisiert hätte (im Sinne einer Ruhigstellung in Gips/ Vacoped Schuh) dass ich bestimmt nach 6 Wochen schmerzfrei gewesen wäre- aber diese 6 Wochen wären so grausam gewesen, wie ein kalter Entzug eines Junkies. Dann doch lieber die „harmlose“ Variante mit der Substitution durch ausgewogenes Triathlon Training OHNE Laufschuhe. Man wundert sich wie der Trainingsplan gefüllt wird ohne dass es auffällt, dass eine Disziplin total fehlt. Selbst die zwei Wettkämpfe, die ich nach dem Radfahren beendet habe, haben mir Spaß und Freude bereitet. Und das ist doch das Einzige was zählt.
Dennoch wollte ich euch nur berichten, dass man auch trotz eines Laufpause weiter trainieren kann und darf. Man öffnet wieder die Augen für andere Dinge, die eventuell die Monate zuvor keine Beachtung geschenkt bekommen haben. Und dass es auch ein vernünftiges Training OHNE Laufen gibt. Und mittlerweile bin schon „so weit“, dass ich sogar am Sonntagabend Facebook durchblättern kann und mich an Erfolgen der anderen erfreuen, auch wenn ich derzeit über keine persönlichen Bestleistungen berichten kann.
Ein großer Dank gilt an diese Stelle noch zu erwähnen. Zum einen an Marco, der schon seit Jahren meine Höhen und Tiefen ertragen muss und immer einen Weg findet um mich glücklich zu machen, und zum anderen auch an Julia Viellehner und Tom Stecher, die mich trotz unserer erst kurzen Zusammenarbeit über diese Verletzungsphase ganz toll „getragen“ haben, mich und auch das Alternativtraining ernst genommen haben, als ob gar nichts wäre. Da kenn ich durchaus andere Trainer aus der Vergangenheit, die mit Verletzungen und Alternativtraining nichts anfangen konnten, geschweige denn mit der eventuell angeknacksten Psyche des Athleten und dich mit dem Kommentar „meld dich wenn du wieder laufen kannst, bis dahin trainier einfach nach Gefühl“ alleingelassen haben.
So genug der sentimentalen Zeilen. Ich will nur alle die durch diese Phase mal gehen müssen / mussten aufmuntern, dass man sich sehr sehr gut als Triathlet auch ohne Laufen fithalten kann (meine Trainingswoche findet ihr hier) und ja nicht den Kopf in den Sand stecken. In dem Sinne – noch 8 Wochen bis zu meiner ersten Mitteldistanz 😉 – sofern alles nach Plan verläuft…

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